Die "Musikalische Grundschule" ist ein Kooperationsprojekt des Ministeriums für Schule und Weiterbildung NRW und der Bertelsmann Stiftung für die Region Ostwestfalen - Lippe. Ziel des Projektes ist es langfristig ein musikalisches Schulprofil zu entwickeln, welches den Kindern mehr Musik in mehr Fächern, von mehr Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften, zu mehr Gelegenheiten bietet.

Betreut wird dieses Projekt von unserern zwei Musikkoordinatorinnen Frau Böger (MK I) und Frau Kolkmann (MK II). Beide nehmen in regelmäßigen Abständen an zweitäigen Fortbildungsmodulen teil, um den musikalischen Entwicklungsprozess der Schule zu initiieren und zu begleiten. So wird das Lehrerkollegium regelmäßig in den Konferenzen und durch ergänzende musikalische Studientage musikalisch fortgebildet. 

                        "Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum."

                                             (F. Nietzsche)

Bei allen Kollegen der Oetternbachschule besteht großes Interesse ihren Unterricht für musikalische Aktivitäten zu öffnen und somit das Schulleben mit musikalischen Beiträgen zu bereichern. Durch die Teilnahme an diesem Projekt, soll die Musik zu einem festen Bestandteil der Unterrichtspraxis werden und musikalische Prozesse zu einer selbstverständlichen Regelmäßigkeit im Schulalltag.

Musikalische Aktionen im Schuljahr 2013/2014

Im vergangenen Schuljahr wurden mit Hilfe des Fördervereins zwölf CD-Player für alle Klassenräume angeschafft. So konnten die Kollegen mit ihren Schülern die vielen Advents - und Weihnachtslieder für unser Schulmusical einüben, welches wir am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien in der Turnhalle Klüt aufführten. In der Adventszeit trafen sich alle Klassen regelmäßig zum gemeinsamen Singen und auch einige Eltern übten mit dem Eltern - Lehrer - Chor einige kleine Stücke ein, die im Osterschulkreis zu hören waren. Für die vierten Klassen gab es eine Musik - AG (freitags 6. Stunde) in der nicht nur viel gesungen, sondern auch begeistert getanzt wurde.  Großen Anklang fand auch der musikalische Nachmittag unter dem Namen "Bühne frei", an dem viele Kinder selbsterarbeitete musikalische Beiträge und Projekte präsentierten. Im Mai nahm das Lehrerkollegium an einer musikalischen Ganztagsfortbildung teil, aus der wir viele Anregungen und praktische Unterrichtsbeispiele bereits im Unterricht umsetzen konnten. Kurz vor den Sommerferien besuchte uns die "Mitmachoper" mit dem Stück "Hänsel und Gretel", welches anschließend mit allen Klassen in der Turnhalle gemeinsam aufgeführt wurde. 

Musikalische Aktionen 2014/2015

Auch das laufende Schuljahr soll unter dem Entwicklungsaspekt zur musikalischen Grundschule viel Musik enthalten. So hoffen wir noch vor den Osterferien einen Klassensatz Okulelen anschaffen zu können. Das gemeinsame Singen und Musizieren in der Adventszeit in den Schulkreisen vor den Ferien wollen wir weiterhin fortführen bzw. ausbauen und hoffen daher auf die Erweiterung des Eltern - Lehrer - Chores um zahlreiche Mitglieder. Auch die Projektwoche wird unter dem Aspekt der ästhetischen Erziehung musikalisch und künstlerisch integrativ gestaltet. Das  Eröffnungsrogramm zum 125 jährigen Schuljubiläum soll mit musikalischem Schwerpunkt geplant werden. Für das kommende Schuljahr haben wir uns bereits für die Teilnahme an dem Projekt JeKi mit dem Schwerpunkt "Tanzen" beworben und uns um Kooperationspartnerschaften bemüht.

Musikalische Aktivitäten 2016/2017

Im Schuljahr 2016/2017 lag ein musikalischer Schwerpunkt bei dem Musicalprojekt "Federleicht".

Federleicht

-        Die Gnade Gottes kitzelt –

 

Projekt „Musical-Gottesdienst“ der KGen Detmold-West, Heiden und der Oetternbachschule

 

Der Anlass:

Mehrere Anliegen kamen zusammen:

·      die Kinder- und Jugendchor der Kirchengemeinde Detmold West wünschte sich neue Impulse,

·      nach Möglichkeiten stärkerer Zusammenarbeit mit den Grundschulen im Gemeindegebiet wurde gesucht,

·      es bestand der Wunsch, Kinder im Grundschulalter aktiv an der Gestaltung des Lutherjubiläums 2017 zu beteiligen,

·      schon seit längerer Zeit waren KinderchorleiterInnen an einer Zusammenarbeit über die Gemeindegrenzen hinaus interessiert.

 

Da traf es sich gut, dass das Musical „Federleicht“ gerade frisch entstanden war. Der Autor Lothar Teckemeyer ist Kirchenältester in der Gemeinde Detmold-West. Er hatte das Werk auf Anfrage des niedersächsischen Kultusministeriums gemeinsam mit dem Kirchenmusikdirektor Wolfgang Teichmann, Hildesheim, verfasst. Das Duo Teckemeyer/Teichmann verfügt über langjährige Erfahrung in der Musicalarbeit, in der Schweiz haben sie das Format „Musicals in der Kirche“ entwickelt. In der Arbeit mit Berufsschülern sind sie mehrfach ausgezeichnet worden.

 

Schnell wurde ein Team gebildet, dass sich für die Durchführung des Projektes verantwortlich fühlte. Pfarrerin Stefanie Rieke-Kochsiek, zuständige Pastorin, Kantor Burkhard Geweke, Kinderchor KG Detmold-West, Stefanie Schwarz, Kinderchor KG Heiden, Julia Böger, Musik- und Religionslehrerin der Oetternbachschule (Koordinatorin der MUGS (Musikalische Grundschule) mit den Standorten Klüt und Jerxen-Orbke) und Lothar Teckemeyer, Regie und Gesamtverantwortung.

 

Das Projekt hatte dabei folgende Ziele:

·         die Zusammenarbeit über die Gemeindegrenzen hinaus,

·         Inklusion durch die Integration einer Schwerstbehinderten auf der Bühne und im Spiel (Schülerin von Frau Böger),

·         Partizipation, die Interessen der Kinder und deren Ideen sollen berücksichtigt und

       einbezogen werden. Nicht die Spieler und Akteure passen sich dem Text an, sondern der Text und das Stück selbst passt sich an die Akteure an,

·         jedes Kind, das mitwirken wollte, bekam eine Rolle.

 

Um solch einen partizipatorischen Ansatz in der Theater- und Musicalarbeit umsetzen zu können, bedarf es einer professionellen Begleitung und Unterstützung der Akteure. Damit alle Akteure des Musicals im rechten Licht stehen und Musik und Ton gut präsentiert werden, wurde eine semipro­fessionelle Band zusammengestellt, bestehend aus einem Jugendlichen der Gemeindeband (Schlagzeug) und Studenten der Musikhochschule Herford (Keyboard, Bass, Gitarre). Sie studierten die musikalische Begleitung unabhängig von den Musicalproben ein. Ton- und Lichttechnik wurden professionell verpflichtet. Band und Technik traten erst zur ersten Durchlaufprobe und dann zur Generalprobe in Aktion. Lothar Teckemeyer verfügt als Psychodramaleiter über eine theaterpäda­gogische Ausbildung. Ebenso wurde ein professioneller Tanzlehrer und Choreograph aus Kassel (ein Freund des Regisseurs) verpflichtet, der seine Arbeit für das Projekt ehrenamtlich einbrachte. Auch er legte Wert auf einen partizipatorischen Ansatz in der Choreographiearbeit. Die Tanzschrit­te orientieren sich in erster Linie an dem, was die Akteure leisten konnten.   

 

Der Prozess

In Januar 2017 wurde mit den Probenarbeiten begonnen. In den Chören wurden wöchentlich die Lieder geübt sowie die dazu notwendige Choreographie einstudiert. Parallel dazu begannen auch die Chorproben in den Grundschulen unter Leitung von Julia Böger. Hier galt es beide Standorte (Klüt und Jerxen-Orbke) zu verbinden.  Aus den beiden Kinderchören Heiden und Detmold-West meldeten sich auch 12 Kinder  für Sprech- und Spielrollen. Ein Jugendlicher übernahm die Rolle des Luthers. Für die anderen stand die Teilnahme im Chor im Zentrum. Für die Probenarbeiten war eine Playback CD (mit und ohne Gesang) aller Lieder angefertigt worden, die alle Mitwirkenden erhielten und es ihnen erleichterten, die Lieder auch unabhängig von den Proben einzuüben. Ebenso hatten die unterschiedlichen Chöre eine gemeinsame akustische Vorlage.

 

Nach insgesamt 10 Schauspielproben, 3 Choreographieproben und den 12 Chorproben, fand dann am Freitag, d. 19.05. 2017 mit allen Akteuren – einschließlich Band und Technik – die erste gemeinsame (Durchlauf- und Stell-)Probe statt. Am Samstag, d. 20.05.2017 wurde die Gene­ralprobe durchgeführt. Insgesamt waren 59 Kinder und ein Jugendlicher auf der Bühne. Neben den drei Bandmitgliedern, arbei­teten weitere 7 Personen in Hintergrund (Chorleitung, Regie, Technik).

 

Die Aufführungen

Die Premiere – zugleich auch die Uraufführung des Musicals – wurde als „Musicalgottesdienst“ gestaltet, denn alle wesentlichen Elemente eines Gottesdienstes (Bitte, Klage, Predigt, Bibellesung, Gemeindegesang, Bekenntnis, Segen) sind, wenn auch in ungewöhnlicher Form, in dem Musical enthalten. Ca. 500 Personen waren bei der Premiere anwesend. Eine zweite Aufführung gab es am Sonntag, d. 25.06.2017 in der Kirchengemeinde Heiden, auch dort wurde in vollbesetzter Kirche gespielt. Eine dritte fand beim Gemeindefest der Kirchengemeinde Detmold-West am Sonntag d. 2.07.2017 statt. Auch diese Aufführungen wurden als Musicalgottesdienste  gestaltet.

 

Auswertung des  Prozesses:

·        Die kompakte Durchführung des Projektes auf 3 Monate hat sich bewährt. Durch die begrenzte Vorbereitungszeit konnte die Motivation der Akteure lebendig gehalten werden.

·        Alle Projektverantwortlichen haben im Rückblick hervorgehoben, mit wie viel Freude, Engagement und Konzentration die Kinder sowohl bei der Probenarbeit als auch bei den Aufführungen bei der Sache waren.

·        Zahlreiche Gespräche „am Rande“ als auch im Musik- und Religionsunterricht der grundschule fanden statt. Die Kinder und Jugendlichen wollten z.B. wissen: „Was ist denn nun Gnade heute?“, „Gilt die Gnade auch für Schwerverbrecher?“ oder „Muss man Glauben, um die Gnade Gottes zu bekommen?“ Im klassischen Sinne fand Kathechismusunterricht „nebenbei“ statt. Für die dritte Aufführung hat Nicolas Perret (17 Jahre) in der Rolle des Luthers eigenständig eine Predigt formuliert.

·        Leider ließen die Absprachen zwischen den Kirchengemeinden in Detmold zu wünschen übrig, so wurde ebenfalls am 21.05.2017 ein Musical mit Konfirmanden zum Thema „Luther“ in der Martin-Luther-Kirche Detmold aufgeführt.

·        Bei der Einladung der Grundschulen zur Mitgestaltung des Projektes verhielten sich einige Grundschulen reserviert. Die Schulleitungen hatten Bedenken bei einem „Kirchenprojekt“ mit einzusteigen. Sie meinten, die religiöse Neutralität sei nicht gewahrt. Eine weitere Grundschule hätte ebenfalls gerne bei dem Projekt mitgewirkt (Freiligrath-Schule Detmold), auf Grund einer langfristigen Erkrankung der Musik- und Religionslehrerin kam es jedoch zu einer kurzfristigen Absage. Somit war die Oetternbachschule die einzige Grundschule, die an diesem Projekt teilnahm.

·        Bei den teilnehmenden Grundschulchören bestand bereits vor dem Projekt persönlicher Kontakt zu der Musiklehrerin. Dort, wo man sich kennt, ist die Motivation zum Mitmachen höher.

·        Schüler und Schülerinnen verschiedener Konfessionen  haben mitgewirkt. So waren bei der Aufführung auch mehrere muslimische Kinder dabei. Wie selbstverständlich waren deren Eltern bei den Aufführungen als Besucher mit dabei.

·        Zeitgebundene Projekte führen nicht automatisch dazu, dass neue Mitglieder für regelmäßig stattfindende Gruppen (Kinderchöre) gewonnen werden. Projekte sind keine Rekrutierungs­maßnahmen für schon bestehende Gemeindekreise, sie haben ihren eigenen Wert. Für viele sind Projekte deshalb interessant, weil sie zeitlich begrenzt sind. Bei dem Auswertungsgespräch wurde von der Musiklehrerin der Oetternbachschule. (Klüt und Jerxen-Orbke) betont, dass sie großes Interesse an weiteren Musikprojekten mit der Kirchengemeinde habe.

·        Größere Projekte haben eher Realisierungschancen, wenn sie in Kooperation sowohl zwischen Kirchengemeinden als auch mit anderen Partnern durchgeführt werden. Synergieeffekte ent­stehen.

·        Für die mitwirkenden Kinder war „Federleicht“ zuallererst ein Musical, der gottesdienstliche Charakter des Stückes war nicht für alle erkennbar. Doch gerade die  Form „Musical“ auch als Gottesdienstes zu verstehen, ermöglicht es Menschen anzusprechen, die eher ein distan­zier­tes Verhältnis zur Kirche haben. Hilfreich beim Zusammenbringen von Musical und Gottesdienst war der Aufführungsort „Kirche“ sowie die übliche Gottesdienstzeit. Das Musical fand  bei allen drei Aufführungen nicht als „Ersatzgottesdienst“ statt, es war ein Gottesdienst.

·        Das zeitlich begrenzte Projekt ermöglicht den Teilnehmenden, sich auf diese Maßnahme engagiert einzubringen, ohne regelmäßige Verpflichtungen eingehen zu müssen. Sie bedeuten Engagement auf Zeit. So haben einige Chorkinder auf ihren sonst regelmäßigen Schwimmun­ter­richt bzw. ihre Sportverpflichtungen während der 3 Monate des Projektes in Absprache mit den Eltern und Übungsleitern zum Teil verzichtet. In den Wochen nach den Osterferien hatte „Federleicht“ für sie Priorität.

 

Musikalische Grundschule